Im schweizerischen Bern bohrt der Geologe Werner Leu seit einem halben Jahr unter dem Genfersee nach Erdgas – bisher allerdings vergeblich.
Das Projekt
Die Preise für fossile Energien steigen immer weiter an: Erdöl und Erdgas kosten heute doppelt so viel wie noch vor sechs Jahren. Ein Grund also für spezialisierte Firmen, sich auf die Suche nach neuen Energieträgern zu machen. In der Schweiz hat der Geologe Werner Leu im Auftrag der Firma Petrosvibri SA, einer Tochtergesellschaft der Westschweizer Gasversorgungsfirmen Holdigaz und Gaznat, Ende des Jahres 2009 mit dem Bohren nach Erdgas begonnen und wollte im Juni 2010 bei einer Tiefe von 4500 angelangt sein. Die Tiefe, in der unter dem Genfer See im 300 Millionen alten Muschelkalk das Vorkommen von Erdgas vermutet wird, welches den Energiebedarf der Schweiz für die nächsten zehn Jahre sichern könnte.
Risiken und Chancen
Dann geschah allerdings das Drama und der Bohrer blieb stecken – das Projekt wurde dadurch um ganze 1200 Meter zurückgeworfen und der Weg bis zu 4500 Metern Tiefe ist noch weit, bis man Gewissheit über das Erdgas-Vorkommen erlangen wird. Die Anzeichen für eine Erdgas-Quelle blieben bisher ja noch aus. Leu sei „nur“ auf Erdwärme gestoßen und auf gute Bedingungen für diese Geothermie: im Bohrloch werden derzeit Temperaturen von bis zu 100°C gemessen, so dass allein die Umwandlung der Wärme in Strom bereits rentabel wäre – selbst wenn kein Erdgas mehr gefunden werden würde.
Dadurch decken sich die hohen Investitionskosten in das Projekt von 20 Millionen Schweizer Franken bereits ein bisschen. Die Chancen, dass das Erdgas-Reservoir tatsächlich existiert liegen bei 1:5. Wenn also wirklich kein Erdgas mehr gefunden wird, hat das Projekt dennoch bereits einen gewissen Profit erwirtschaftet: nämlich die Gewissheit, dass man sonst Energie aus der Erdwärme gewinnen kann. Außerdem stehen die Chancen gut, das Bohrloch später als Gasspeicher zu nutzen.